Dienstag, 23. Juli 2013

Vorgeburtsbericht



So einen Geburtsbericht zu schreiben, kann ja auch therapeutisch wirken… Also hier nun mal meiner.

Ich muss ein wenig ausholen. In der 34. Woche stellte mein Frauenarzt bei einer Doppler-Untersuchung eine Arhythmie beim Herzschlag des Babys fest. Das kleine Herz macht immer drei Schläge und lässt dann einen aus. Für ihn war aber sofort klar, dass es sich lediglich um eine Unreife des Herzens handelt und dass es sich, wenn nicht schon in der Schwangerschaft, dann aber rasch nach der Geburt verwachsen wird.
Trotzdem hat er mich ins Krankenhaus geschickt, damit eine genauere Untersuchung stattfinden kann, dies gleich gekoppelt mit der Anmeldung zur Geburt.

Also bin ich ins Krankenhaus gefahren und habe dort mit dem Chefarzt gesprochen. Der war derselben Meinung wie mein Frauenarzt: Ein organischer Herzfehler konnte im Ultraschall ausgeschlossen werden, also eine Unreife. Das Krankenhaus habe keine Neugeborenenstation, dies sei aber kein Problem, sie hätten 24h einen Kinderarzt abrufbereit, der würde nach der Geburt kommen und nach der Kleinen schauen. Eine Verlegung des Babys sei unter diesen Umständen nicht notwendig und ich könnte problemlos in der Klinik entbinden.
Die letzte Aussage war besonders wichtig, weil ja schon die erste Geburt von der ersten Wehe bis zur Geburt nur 2h gedauert hat und wir wirklich Bedenken hatten, es ins Krankenhaus zu schaffen.

Dann kam allerdings die Rede auf eine mögliche Einleitung: Mit diesem Befund würde der Chefarzt ungern über den Termin gehen, am liebsten eigentlich einen Kaiserschnitt vornehmen – zwei Optionen, die für mich nur im absoluten Notfall in Frage kommen, das habe ich ihm auch so mitgeteilt. Er schaute recht schief und war augenscheinlich nicht begeistert von meinen Einwänden, aber das war mir recht gleich.


Beim Frauenarzttermin zwei Wochen später wurde es dann schwierig. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon recht spürbare Übungswehen, die in kurzen Abständen kamen und ein CTG konnte aufgrund der Arhythmie des Babys nicht geschrieben werden – Einweisung ins Krankenhaus. Mit dem Chefarzt hatte ich da zum Glück nix zu tun, aber wie bereits in einem früheren Post geschildert, habe ich so ziemlich jede Hebamme, jede Ärztin und jedes CTG-Gerät der Klinik kennen gelernt. „Kommen Sie unter der Geburt, wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist, dann kommen Sie um den Kaiserschnitt herum“, war der sympatischste Rat einer Ärztin am Entlassungstag – am liebsten hätte man mich dabehalten und direkt einen Kaiserschnitt gemacht, obwohl es dem Baby hörbar gut ging.
Zu Hause habe ich erstmal geweint -  die Vorstellung, dass mit mir unter der Geburt etwas gemacht wird, was ich nicht will und was auch nicht zum Wohle des Babys ist, denn dem ging es ja gut, das war eine schreckliche Vorstellung. Daniel hat versprochen auf mich aufzupassen zu verhindern, dass es ohne Indikation zu einem Kaiserschnitt oder einer Einleitung kommt, aber ab diesem Zeitpunkt habe ich jeden Tag gebetet und gehofft, dass die Geburt von alleine losgeht.
Zum Glück ist mein Frauenarzt auch kein Freund einer künstlichen Einleitung und hat mit als Einziger verstanden, dass es eben nicht möglich ist, ein anständiges CTG zu schreiben und stellte deshalb von Anfang an klar: Übertragen geht. Erst am 10. Tag würde es ihm zu heikel werden. Glück gehabt.

Acht Tage nach dem errechneten Geburtstermin, am 7.7. war ich wieder im Krankenhaus zur CTG-Kontrolle, das war ein Sonntag und der Arzt hatte zu. Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt gehen soll… wäre ich mal nicht.
Nach einem misslungenen CTG (Oh Wunder) hatte ich wieder das „Chefarztvergnügen“.
Dieser hatte die glänzende Idee: „Sie bleiben hier, wir öffnen jetzt die Fruchtblase, legen eine Sonde an den Kopf des Babys, um die Herztöne zu überwachen und wenn sich in 24h nix tut, dann gibt’s einen Kaiserschnitt.“ Äh… nein?! Ich habe mich dann selbst entlassen und zu Hause wieder geheult. Wir haben an diesem Tag noch lange diskutiert, ob eine andere Klinik in Frage kommt, aber auch in einer anderen Klinik erschien mir die Gefahr zu groß, dass einfach aufgrund der CTG-Schwierigkeiten ein Kaiserschnitt gemacht würde – man konnte den Herzschlag des Babys die gesamte Zeit gut hören wohlgemerkt, nur nicht aufschreiben. Für das Krankenhaus stand aber außerfrage, dass die Herztöne des Babys unter der Geburt permanent überwacht werden müssen – inclusive Aufzeichnung. Eben nicht möglich.
Meine Hoffnung war, dass der Chefarzt Feierabend hat, wenn das Baby kommt und dass es so schnell kommt, dass keine Intervention möglich und nötig ist.

Das hat leider nur fast geklappt, der Geburtsbericht folgt.

Und wer bis hier durchgehalten hat, kann auch noch ein paar Bilder anschauen: Eine Deniz-Hose in 74, 


 einen Yorick für mich, zwei Tage vor ET,


und eine 3/4-Moira für mich am Tag vor der Geburt.


Kommentare:

  1. Ohje das klingt wirklich sehr nervenaufreiben. Bin schon gespannt wie es weitergeht...
    Lg Caro

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  2. Das fing ja schonmal nicht gerade berauschend an. Ich hatte ja im Mai einen Kaiserschnitt in der 37. Woche, der leider dann nicht mehr länger rauszuzögern war, inkl. andere Klinik wegen Neugeborenenstation etc. pp. Und ich kann sagen: kein Spass, will ich nicht nochmal. Und diese CTG-Versessenheit gabs bei uns auch. Einmal schief geatmet und schon gabs noch das 5. CTG an einem Tag. Am besten war das tolle neue Computer-CTG, dass selbstständig beschliessen konnte, dass was nicht stimmt, auch wenn dir erfahrenste Hebamme sicher war, dass alles in ornung ist. Ivh hoffe, jetzt ist aber mit eurer Maus alles ok!

    Liebe Grüsse

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  3. Ohje, das liest sich gar nicht schön... ein Glück haben wir ja schon Fotos von euch gesehen, es ist dann wohl alles gut gelaufen hoffentlich auch in eurem Sinn. Ich bin zum Glück nicht in den Genuss des CTG gekommen, ich hab es nur knapp ins Krankenhaus geschafft, da blieb mir wohl einiges erspart... ich bin auf die Fortsetzung des Berichtes gespannt!
    Glg Teresa

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  4. Oh, Rasen :) Das ist der letzte Eindruck von deinem Post. Der Rest klingt wirklich ein bißchen traumatisch, oh Mensch, das ist doof. Fortsetzung folgt macht natürlich neugierig...drücke dich!

    Frau Mena.

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